Spanferkelgrill selbst bauen

Artikel vom 02.02.2018 um 19:49


In diesem Bericht möchte ich meine Erfahrung vom Spanferkelgrillen teilen. Wir haben kurz vor Silvester einen Spanferkelgrill gebaut, und diesen an Silvester direkt eingeweiht.

Bau eines Spanferkelgrills



Wie es immer so ist, kam der Entschluss relativ kurzfristig, wodurch keine Zeit mehr war das notwendige Material zu bestellen. Der Termin stand fest - 31.12.2017. Also habe ich zwischen den Jahren die Dachböden und Kellerräume nach verwertbarem Material durchsucht.

Als Motor musste eine ausgemusterte Küchenmaschine her halten. Da der Antrieb mit einer relativ schnellen Übersetzung arbeitet, musste ein Getriebe her. Riemen fällt aufgrund der Wärme raus und Zahnräder sind zu aufwendig herzustellen. Daher habe ich mich für ein Kettentrieb entschieden.

Glücklicher weise habe ich noch eine Zahnscheibe eines Fahrrads gehabt, damit war die erste Hälfte des Getriebes fertig. Nun musste ich ein Antriebsrad herstellen. Dazu habe ich in eine 40mm Welle Bohrungen angebracht, die die Teilung von Zahnketten hatte.



Danach musste lediglich die äußere Fläche abgedreht werden, wodurch die Zähne entstanden. Auf der Küchenmaschine war vorher ein Kunststoffteil aufgesteckt. Die Welle hatte Rillen, um dieses zu fixieren. Ich habe die innere Bohrung des Antriebsrads etwas unter Maß gebohrt, damit sich das Alu schön verformt und eine formschlüssige Passung entsteht.


Anbei ein Bild von dem fertigen Getriebezahnrad, welches auf die Welle der Küchenmaschine aufgepresst wurde. Dabei habe ich direkt auch die Fahrradkette getestet.


Die Lager habe ich als Gleitlager ausgeführt - auch hier Quick&Dirty diente ein Flachmaterial aus Alu als Lagersitz. Dieses habe ich dann an ein 50x50-Quadratrohrprofil angebracht, damit dieses an einem 40x40-Profil in der Höhe verstellt werden konnte.

Als Spieß habe ich eine 12mm Edelstahlwelle verwendet und an das Ende der Welle eine Stufe gedreht, damit dort auch ein Lagersitz entsteht (was sich später als Fehler herausgestellt hat).





Leider war mit einer Getriebestufe die Abtriebsdrehzahl noch deutlich zu hoch, weshalb ich mich entschieden habe zwei weitere Getriebestufen einzubauen. Da ich nun kein Fahrradritzel mehr zur Verfügung hatte, musste ich mir diese wieder selbst bauen.

Für die weiteren Ritzel habe ich eine Aluplatte genommen, und diese wieder mit der Fahrradketten-Teilung abgebohrt. Danach wurden die Stege des großen Zahnrades mit der Bandsäge freigearbeitet, bei den etwas kleineren Zahnrädern hat die Scheibe noch auf die Drehbank gepasst.



Die Lagerung der Welle habe ich bei allen drei Getriebestufen gleich ausgeführt (mit der Aluplatte als Gleitlagersitz auf einem Stück 50x50-Quadratprofil geschraubt). Das fertige Getriebe sah dann wie folgt aus:



Die Drehzahl der Abtriebswelle war zwar immer noch etwas zu schnell - es war jedoch wegen des knappen Terminplans nicht mehr möglich eine weitere Getriebestufe einzubauen.




Als Feuerstelle haben wir ein Viertel aus einem alten Ölfass herausgeschnitten. In das Fass wurde eine zweite Ebene eingeschweißt, damit möglichst viel Holz gleichzeitig verbrannt werden konnte. Seitlich haben wir Zuluftbohrungen angebracht. Vor der ersten Benutzung haben wir das Ölfass stark "befeuert" damit alle möglichen Rückstände verbrennen konnten.



Nun waren alle Komponenten des Spanferkelgrills fertig - es hat jedoch nur noch das Schwein gefehlt.

Das Spanferkel wird vorbereitet



Wir haben das Spanferkel zwei Tage vor Silvester unbehandelt beim Schlachthof geholt. Es war komplett rasiert und ausgenommen - jedoch nicht gepökelt. Daher mussten wir es noch selbst etwas Pöklen. Man kann entweder trocken- oder nass Pökeln. Dadurch wird das Fleisch durch Feuchtigkeitsentzug haltbarer gemacht und das Fleisch vorgewürzt. Als Hauptbestandteil wird beim Pöklen Salz verwendet, normalerweise auch noch Nitrit und Nitrat, damit das Fleisch haltbar gemacht wird. Da wir lediglich zwei Tage zur Verfügung haben, haben wir nur Trocken gepökelt mit Speisesalz - eigentlich nur Salzen.

Damit jedoch das Salz in das Fleisch eindringen kann, haben wir mit einer dicken Nadel Löcher in die Haut des Ferkels gestochen (die Löcher hatten einen Abstand von ca. 1-2cm zueinander). Besonders wichtig ist dies in dem Bereich, wo die Muskeln am dicksten sind (hinteren Schenkel oben und Brust/Rücken-Bereich).



Von außen haben wir die Haut des Ferkels komplett mit einer Mischung aus Salz und Pfeffer und Salz eingerieben. Von innen wurde der gesamte Bauchraum zusätzlich mit Rosmarin, Zwiebeln, Knoblauch und Paprika eingerieben.



Damit die Gewürze nicht aus dem Bauch fallen haben wir diesen Zugenäht. Die Beine des Schweins haben wir zusätzlich noch aneinander gebunden, damit das Schwein möglichst nah an dem Spieß ist.



Zum Schluss haben wir das Ferkel in Frischhaltefolie eingewickelt und es bei ca. 4-6°C gelagert.


Das Spanferkel wird gegrillt



Um die Mittagszeit von Silvester haben wir uns getroffen um alles vorzubereiten. Unter den Spanferkelgrill haben wir ein großes Eisenblech gelegt, damit rauslaufende Säfte nicht auf dem Boden Laufen. Zusätzlich haben wir kleine Metallschüsseln aufgestellt, wo zusätzlich Briketts hingelegt werden können.

Beim Aufspießen haben wir gemerkt, dass der Spieß etwas zu dünn war. Dadurch, dass wir das Ferkel gefüllt und eingerieben haben, war das Gewicht statt bei 16kg bei etwa 20kg. Nun konnte nichts mehr geändert werden, das Ferkel wurde an den Grill gehängt.

Um ca. 14:00 Uhr war es dann so weit - die Feuerstelle wurde gezündet und aufgeheizt. Auf dem Bild zu sehen das aufgespießte Ferkel. Dabei zu beachten die Durchbiegung des Spießes.







Zuerst hatten wir Probleme mit dem fixieren des Ferkels. Da der Rücken relativ schwer war und dieser an dem Spieß nicht fixiert war, ist dieser beim Drehen sehr unkontrolliert hin und her gefallen. Wir haben dann mit einer zweiten Stange, die an dem Spieß fixiert würde, den Rücken des Ferkels fixiert.





Nach ca. 2-3 Stunden sah das Schwein dann in etwa so wie auf dem folgenden Bild aus. Wir haben das Schwein Regelmäßig mit einer Marinade aus Öl, Paprika, Rosmarin und weiteren Gewürzen eingerieben, damit die Haut nicht verbrennt und vorerst Saftig bleibt. Die Kerntemperatur haben wir regelmäßig mit einem Fleischthermometer nachgemessen. Die Feuerstelle wurde so aufgestellt, dass das Ferkel nur indirekt Wärme erhält und kein Rauch ab bekommt. Nach ca. 2-3 Stunden hatte sich die Kerntemperatur von ca. 4°C auf 25-30°C erhöht.



Um ca. 17:30 - nach etwa 3,5 Stunden auf dem Grill, sah die Welt auch noch in Ordnung aus. Die Hautfarbe hat sich langsam etwas geändert. Die Kerntemperatur war zu diesem Zeitpunkt bei etwa 40°C.







Leider habe ich zu nächstem Ereignis keine Bilder mehr. Der Motor lief gleichmäßig und ohne Aussetzer. Auch das Getriebe funktionierte einwandfrei. Eigentlich konnte nun gar nichts mehr schief laufen. Alle Standen zusammen, als ein Rumpeln zu hören war. An der Lagerstelle ist der Spieß abgeschert. Glück im Unglück - das Schwein ist nicht auf die Kohlen gefallen.
Dieses Bild habe ich dann nach der Silvesternacht aufgenommen – quasi als Beweissicherung.



Wir haben dann erstmal das Feuer von dem Schwein genommen und den Spieß an die seitlichen Schrauben gehängt. Auf den Schrauben lag der Spieß dann wieder relativ stabil. Nun musste aber das Ferkel alle 10-15 Minuten von Hand gedreht werden. Zum Glück war die Kerntemperatur des Schweins zu dieser Zeit schon relativ hoch, dadurch musste nur noch die Haut knusprig gemacht werden. Da war der Verlust des Motors zu verschmerzen. Die Pfoten des Ferkels haben wir an einem Stein fixiert, somit hat sich dieses nicht mehr drehen können.
Das nächste Bild habe ich dann gegen 20:00 Uhr aufgenommen. Zu sehen dabei, dass der Spieß nicht mehr angetrieben wird und die Beine auf dem Stein liegen.



Um ca. 21:00 Uhr war es dann endlich so weit. Die Kerntemperatur war zu dem Zeitpunkt bei ca. 73-75°C. Wir haben dann den Spieß abgebaut und das Schwein zum Zerlegen und Verspeisen auf den Esstisch gelegt.

Die Männer haben das Fleisch direkt vom Schwein gegessen - die Frauen wollten lieber schon zerlegte Teile des Spanferkels haben.





Ich kann jedem das Grillen eines Spanferkels empfehlen, der Lust auf den Bau des Grills und am Grillen selbst hat. Man sollte genügend Holzkohle und Holz einplanen und sich eine Menge Zeit lassen. Sollten wir nochmal ein Spanferkel grillen, werde ich einen massiveren Spieß drehen (vermutlich ca. 20mm Edelstahlwelle) und einen langsameren Motor einbauen. Ich würde mir, sofern genügend Zeit ist, einen Scheibenwischermotor zulegen und evtl. das Getriebe behalten. So wird das Ferkel langsam und kontinuierlich gegrillt.

Alle hatten einen großen Spaß und das Grillen war den ganzen Tag über sehr gesellig. Viel Spaß beim Nachbauen, Verbessern und Grillen :-).

Kommentar von Sebastian vor 7 Monaten:

Hey Thorst-Metall, ich verfolge und bewundere deine Projekte jetzt schon seit längerer Zeit.
Der selbstgebaute Spanferkelgrill imponiert mir am Meisten. Ich werde mich jetzt bemühen das Ganze nachzubauen.

Danke für die Tipps, mach weiter so!

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