Bau eines Ersatzzahnrades einer Singer 720 Nähmaschine

Artikel vom 07.02.2017 um 19:33


Als ich eines Abends bei meinen Großeltern war, hat mir meine Oma erzählt, dass seit gut einem Jahrzehnt ihr Zick-Zack-Stich an der Nähmaschine nicht mehr funktioniert.

Schnell wurde die fehlerhafte Stelle ausfindig gemacht. Ein Kunsstoffzahnrad war gebrochen und somit ist der Schneckentrieb zum Ansteuern der Nadelrichtung nicht mehr funktionstüchtig gewesen.

Nach ein bisschen Messen und probieren hatte ich den Entschluss gefasst - du kannst das auch.
Lange Zeit der wilden Aufspannungen später hatte ich dann auch eine Möglichkeit gefunden das Zahnrad zu fräsen.



Da ich keinen Modulfräser besitze, musste ich mir aus einem gehärteten Rest D2 (1.2379) einen eigenen Meißel schleifen. Dies hat mit einer aufgeklebten Schablone verblüffend gut funktioniert. Ich habe mich dazu entschieden den Winkel des schägverzahnten Zahnrades etwas kleiner zu machen, denn je größer dieser wird, umso schlechter funktioniert die Art und Weise, wie ich es Fräsen wollte.

Viel gekurbel und ein Fehlversuch später war dann mein Zahnrad fertig. Ich habe zwischenzeitlich die Zustellung meines VHM Fräsers für den Umfang etwas übertrieben, wodurch dieser zersprengt wurde. Ich denke an diesem wird nichts mehr zu retten sein. Eventuell werde ich ihn zum abrichten von Schleifscheiben oder als Stichel verwenden.



Ich konnte die Aluminiumwelle leider nicht auf der Drehbank bearbeiten, weil der Spannbereich des Futters sehr ungünstig war.



Als Passung habe ich mich für eine Übermaßpassung entschieden. Die Welle lag in etwa bei 20,6mm - die Bohrung meines Zahnrades habe ich auf 20,4mm gefräst. Ich hatte vorher noch nie aufgeschrumpt, weswegen ich etwas nervös dabei war. Es hat jedoch schon Tiefkühltruhentemperatur (ca. -19°C) der Welle und Backofentemperatur des Zahnrades (ca. 200-250°C) ausgereicht.

Hier nochmal das gesamte Material auf einem Bild:


Am folgenden Tag musste ich die Funktion der Nähmaschine sofort mit dem neuen Zahnrad testen. Es hat verblüffend gut in die Maschine gepasst.





Anbei noch ein Video vom finalen Einbau des neuen Zahnrades. Danach folgt ein kleiner händischer Test, ob sich das Getriebe wie gewünscht verhält.







(Sie werden beim Klicken auf die folgenden Bilder zu dem jeweiligen Angebot unserer Partner weitergeleitet)

Kommentar von Sonja vor 2 Jahren:

Hey

Würden Sie so ein Zahnrad nochmal herstellen? Meine nähmaschine sieht von innen genauso aus und auch das Zahnrad ist kaputt... Ich kriege es allerdings schon nicht auseinander gebaut. Da müssten Sie mir dann nochmal tipps geben.

Lg

Kommentar von Thorsten vor 2 Jahren:

✔️ (verifizierter Kommentar vom Seiteninhaber)

Hallo Sonja,

wie auf den Bildern zu sehen, habe ich wahrscheinlich noch ein Zahnrad übrig - wenn nicht aber auch noch den Wellenstumpf, welchen ich auf Länge abtrennen könnte. Ich würde nächstes Wochenende nachschauen und mich nochmal bei Ihnen melden. Könnten Sie mir die Zahnbreite in etwa ausmessen, sodass ich genau nachschauen oder abtrennen kann?

Zum Auseinanderbauen müssen zuerst die Abdeckbelche der Nähmaschine entfernt werden. Die hohle Welle mit dem Kunststoffzahnrad kann, nachdem der Sicherungsring entfernt wurde, durch herausziehen entfernt werden (auf dem Video ist zu sehen wie es wieder montiert wird). Das Kunststoffzahnrad hat innen einen Zahnkranz um einen Formschluss zu erzeugen. Damit dieses von der Welle entfernt werden kann habe ich die Bruchkante mit einem Schraubenzieher geweitet und mit einem zweiten das Zahnrad von der Welle gedrückt.

Ich hoffe damit konnte ich weiter helfen.

Gruß Thorsten

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